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Airlie Beach – Bootstour – Tag 1


Eine Cruising Tour zum Great Barrier Reef ist obligatorisch, wenn man es einmal bis zu den Whitsundays geschafft hat. Mehrtägige Segeltrips, Luxuskreuzfahrten oder einfache Eintages- Schnorcheltrips. Es gibt eigentlich alles. Doch was macht man wenn man sich den Trip wegen eines knappen Budgets eigentlich gar nicht leisten könnte bzw. Wollte??


In der selbigen Situation befindend wendeten wir uns direkt an eine der Cruisingtouren um auf dem Boot als Tellerwäsche freiwillig, also ohne Bezahlung zu arbeiten. Als Gegenleistung wollten wir nur den Trip für um sonst und ein paar nette Erfahrungen. Ohne wirklich daran zu glauben, hatten wir schon beim ersten Anlauf Erfolg! Wir durften also eine viertagestour Begleiten und dabei in der Küche als Tellerwäscher arbeiten.


Als wir bei Shute Harbour auf das Boot kommen ist noch fast niemand da. Ein großer, glatzköpfiger Engineer mit starkem australischen Akzent begrüßt uns und zeigt uns das Boot. Das Boot ist vergleichsweise groß. Es hat Platz für knapp 50 Passagiere. Es gibt alles von der Luxusklasse die wie ein Hotelzimmer ausgestattet ist bis zur normalen Crewkajüte. Letztere sollte von nun an unser zu Hause sein. Ein winziger Raum mit Hochbett und Waschbecken und kleinem Bullauge solls sein.


Das Boot selbst ist etwas geräumiger: Im Keller sind einige Kabinen und natürlich der Motor, auf dem „Erdgeschoss“ gibt es einen großen Diningroom, eine Bar sowie die Küche, das Herz des Schiffs! Beim nächsten Stockwerk geht’s auf die Brücke sowie die Luxeriösen Kabinen. Darüber gibt es nur noch das Sonnendeck auf welchem bei gutem Wetter ettliche Sonnenstühle für die Passagiere bereit stehen.


Wir werden sofort in die Arbeit eingebunden. Jessie, unser Koch ist schon dabei die Küche einzurichten. Wir müssen jedoch noch helfen Leinen einzuholen, das Deck zu schrubben, Bänke zu säubern und so weiter und so fort...

Als wir gerade bei der Arbeit sind kommt der Chef des Unternehmens aufs Boot und kündigt uns an, dass wir von nun an zur Crew gehören und wir für den Trip zwar hart arbeiten werden müssen, wir aber dafür auch bezahlt werden! Das gab uns schonmal einen gewaltigen Motivationsschub! Den normalerweise hunderte Dollar schweren Trip kriegen wir gratis und dürfen sogar noch Geld verdienen. Wow! Besser geht’s nicht.


Nun folgt die Teambesprechung. Da dieses Mal ausergewöhnlich viele Gäste an Board sein werden ist unsere Hilfe dringend nötig – auch sonst gibt’s mehr zu Organisieren als normalerweise. Dannach geht es sofort wieder an die Arbeit: Saugen, Dreck entsorgen, Wasser auffüllen etc.


So langsam trudeln schon die ersten Gäste ein und auch der Kapitän schwingt seinen Reisekoffer in seine Kabine um dannach auf die Brücke zu gehen und das Mikrofon zu testen. Das Boot ansich entspricht dem Reisepreis und ist edelste Klasse. Nur in der Küche geht zu unserem Glück alles etwas gelassener und unspektakulärer vor – zumindest äußerlich. Über einen I-Pod der an Boxen angesteckt ist ertönt laut die Lieblingsmusik des etwa 24-jährigen Kochs welche sich genialerweise mit unserem Musikgeschmack deckt. Der Koch ist super nett und erklärt uns sofort und kurz was wir machen sollen. Als erstes müssen wir ein paar Sandwiches für die Crew machen. Während wir dabei sind die Tomaten für die Sandwiches zuzuschneiden legen wir ab und schon gleich wird es ziemlich ungemütlich! Für die nächsten Tage ist ziemlich schlechtes Wetter vorausgesagt. Wir spüren das schon auf den ersten Metern die wir zurück legen. Das Boot schwankt gewaltig. Um arbeiten zu können müssen wir die Ellenbogen auf die Arbeitsplatte pressen um nicht umzufallen oder alles zu verkleckern. Es ist verdammt schwierig sich zu konzentrieren und gleichzeitig hin und her zu schaukeln. Wir kriegen schon ganz leicht zu spüren was es bedeutet Seekrank zu sein. Trotzdem, die Fahrt nach Hamilton Island sollte noch nicht zum Problem werden. Jedoch ist für die Dauer unseres Trips noch deutlich schlechteres Wetter zu erwarten. Deshalb gehen wir kurzerhand an Land während Passagiere bei Hamilton Island das Boot betreten. Ab geht’s in die nächste Apotheke um schonmal vorzusorgen: Tabletten gegen Seekrankheit. Ich war selbst noch nie länger Zeit auf einem Schiff, vorallem nicht auf offener See und habe daher keine Ahnung ob ich Seekrank werde. Seekrank sein und arbeiten? Diese zwei Sachen passen garantiert nicht zueinander! Also wieder rauf aufs Boot und mal provisorisch eine Tablette eingeworfen. Dann geht’s wieder ab hinaus aus der Bucht auf „offeneres“ Gewässer. Wir helfen dem Koch beim Essen zubereiten und spülen ein paar Töpfe wenn nötig. So langsam lernen wir die Crew kennen. Diese besteht zu meist aus zwischen 20 und 30 jährigen Australiern – sehr nette Menschen und vor allem genau auf einer Wellenlänge. Die See wird nun zunehmend rauer und trotzdem nimmt die Arbeit in der Küche nicht ab. Die etwa 35 Gäste wollen gut verpflegt werden. Für das Abendessen steht ein 4-Gänge Menü auf dem Speiseplan. Uns graut es jetzt schon vor der Abwascharbeit. Gerade als die meisten Speisen gerade Kühlschrankreif verpackt werden können werden die Wellen besonders hoch. Auch der Koch sagte, er habe sowas noch nie erlebt: Das Schiff schauckelt gewaltig nach allen Seiten. Der Wind peitscht dem Boot entgegen und es regnet. Die Wellen kommen vor allem von der Seite was das Boot ganz schön in Schwingung versetzt. Jetzt ist das Arbeiten nicht mehr möglich: Es ist eine unfreiwillige Pause angesagt. Ich verlasse die Küche und kann kaum auf den eigenen Füßen stehen. Als ich durch den Diningroom laufe und an der anderen Seite den Raum in Richtung Reeling verlasse sehe ich dort die ganzen Passagiere versammelt und sehr sehr unglücklich aussehend. Die meißten hat es erwischt: sie sind Seekrank und wünschen sich nur noch an Land. Meterhohe Wellen rollen weiterhin auf das Schiff zu. Das Bug hebt sich in die Höhe und klatscht wieder mit voller Wucht gegen die Wassermassen. Der Horizont verschwindet regelmäßig aus dem Blickfeld. Ich stehe auf höhe der Brücke, hebe mich an der Reeling und habe etwas Spaß an der „Wildwasserfahrt“. Zurück in der Küche gibt es derzeit keine Arbeit. Die nächsten Stunden ändert sich kaum etwas an der Situation. Miriam bekommen die Wellen nicht sonderlich gut und auch sie wird kurzerhand und trotz Tabletten etwas Seekrank und muss sich übergeben. Zum Glück ist das Arbeiten unter diesen Umständen nicht möglich! Der Kapitän gibt sein bestes uns aus diesem Schlamassel zu befreien. Gegen Abend erreichen wir zu erst „Whiteheaven Beach“ eine toller einsamer Strand.. „Der schönste der Welt“ schwärmen einige, welcher auch gleich mit den kleinen Beibooten angesteuert wird. Den Strandspaziergang haben die meisten auch bitter nötig. Leider fällt der für uns aus. Die Ruhe im Sturm müssen wir nutzen um das Essen zuzubereiten. Später geht es weiter in eine windsichere Bucht, dass Grauen der Wellen hat erst einmal ein Ende. Trotzdem haben sich die Passagiere ihre Luxusfahrt sicher anders vorgestellt!


Dafür zaubert der Koch durchgehend hervorragendes Essen, trotz kleiner Küche. Zur späten Stunde wird es bei uns immer hektischer. Zu erst geht es an die entgültige Zubereitung der Gerichte. Es gibt wenig Platz und wenig Zeit und trotzdem packen wir es irgendwie alles rechtzeitig fertig zu stellen ohne auch nur einen Teller fallen zu lassen :) Nach und nach werden die Speisen durch eine kleine Luke in den Diningroom gereicht. Alles muss perfekt aussehen – die Teller werden dekoriert, auch das Auge isst mit! Kein Saucenfleck darf auf dem Tellerrand verweilen.


Der eigentliche Job beginnt für uns erst nach dem Essen. Die Teller kommen schneller zurück als wir es uns wünschen. Zu zweit müssen wir alles an Geschirr spülen und brauchen dafür eine gute Weile. Um das eigene Essen müssen wir uns anschließend selbst kümmern. "Help yourself" ist die Devise! Alles was zu viel war und nicht zu den Gästen in den Dining Room gereicht wurde steht der Crew zur Verfügung. Man genießt zwar nicht den Komfort und die Dekorationen – das Essen ist jedoch das gleiche und einfach wunderbar gut! Es gibt alles von Meeresfrüchten bis zu australischen Spezialitäten, Vor- und Nachspeisen. Als wir am "Ende" des Tages auf dem Deck sitzen und mit ein paar Crewmitgliedern unser Essen genießen spüren wir alle Knochen. 15 Stunden Arbeit sind doch sehr spürbar. Trotzdem hat es fast jederzeit Spaß gemacht und eigentlich tut es mal wieder gut auch in der "Reisezeit" etwas produktives zu tun und nicht auf der faulen Haut zu sitzen.

Nach dem Essen geht es sofort in die Kabine zum Duschen. Am nächsten Tag müssen wir schon früh aufstehen um wieder Fit für die Küche zu sein.